Ende Mai ´09 ging es für uns wieder einmal auf Kanadier - Wandertour, diesmal in den Kanton Zürich auf Thur und Rhein. Wir kannten die Route nur vom Buch her und fühlten uns von der dort beschriebenen Natürlichkeit und Unberührtheit angezogen.
Wir starteten bei strahlendem Sonnenschein in Andelfingen. Die Einbootstelle nahe dem Freibad war nicht leicht zu finden, aber ein paar Anwohner halfen uns bei der Suche, und so konnten wir schliesslich das Boot gegen 10 Uhr ins Wasser lassen. Schon nach den ersten Metern bemerkten wir, dass der Fluss sehr flach war. Der Wasserstand spielt bei der Befahrung der Thur eine wesentliche Rolle. Und weil der Fluss keinen einzigen Stausee aufweist, der den Pegelstand ein wenig ausgleichen könnte, schwankt der Wasserstand je nach Wetter und Niederschlag recht stark. Jedenfalls betrug der Abfluss an diesem Tag nur gut 20 m3/s und das ist wohl ziemlich die Untergrenze der Befahrbarkeit – zumindest für einen Tourenkanadier.
Und obwohl wir anfangs – quasi zur Begrüssung - einen heftigen und für uns unabwendbaren Bodenkontakt hatten, war es durchaus sehr reizvoll, auf so flachem Wasser zu fahren, weil man beim Anblick des Grundes das Gefühl bekommt, dass man unheimlich schnell und trotzdem friedlich durch die Landschaft gleitet. Die Ufer der Thur sind kaum bebaut, aber wild bewachsen und strotzten in unzähligen saftigen Grüntönen. Dazu kommt, dass die Wasseroberfläche oft ganz glatt den Himmel widerspiegelt. Langsam zogen wir durch diese behagliche Wildnis und unsere einzige Aufgabe war es, früh genug zu erkennen, wo die zu flachen Stellen waren, die dann mit ein paar leichten Paddelschlägen umfahren werden mussten.
Auf den letzten Thurkilometern wird der Fluss dann immer langsamer bis er kurz vor dem Einfluss in den Rhein fast steht. Wenn man schliesslich mit etwas müden Armen an der Rheinmündung ankommt, ist man fasziniert vom der Breite und der Mächtigkeit dieses grossen Flusses. Die Grenze zwischen der kleinen fast stehenden und beschaulichen Thur und dem im Vergleich fast tosenden Rhein zeichnet sich ganz klar ab und die Überfahrt gleicht einem Sprung ins kalte Wasser.
Es brauchte dann ein paar hundert Meter Flussabfahrt bis wir uns daran gewöhnt hatten, dass solch eine Kraft am Boot wirkte und das wieder kontinuierlich gepaddelt und korrigiert werden musste. Etwa zwei Kilometer später in der Nähe von Rüdlingen bot sich am rechten Ufer eine günstige Stelle zum anlegen und picknicken. Die Sonne brannte und der etwa 19 Grad kalte Fluss lud zum Hineinspringen ein. Nach ungefähr einer Stunde Pause ging es dann weiter vorbei an Weinbergen und Biberburgen. Auch der Rhein ist hier trotz des geraden Verlaufes sehr naturbelassen und schimmerte an diesem Tag in grünblauer Farbe. Gelegentlich kam uns hier ein Linienschiff mit freundlich winkenden Tagesausflüglern entgegen. Überraschend schnell kamen wir beim Gartenrestaurant Tössegg an, wo wir noch auf einen Kaffee einkehrten, bevor wir uns die vermeintlich schnellen letzten vier Kilometer der Tour vornahmen.

